Jana Sellnow
Martin Perlbach
Hakomi
Körperpsychotherapie
Die Hakomi Methode
Körperorientierte Psychotherapie mit Achtsamkeit
Was ist Hakomi?
Hakomi ist eine Form der Körperpsychotherapie, die in den 1970er Jahren von Ron Kurtz entwickelt wurde. Sie verbindet westliche Psychotherapie mit östlichen Achtsamkeitstraditionen und arbeitet an der Schnittstelle von Körper, Geist und Beziehung.
Der Ansatz ist tiefenpsychologisch fundiert: Viele unserer Verhaltensweisen und emotionalen Reaktionen werden von unbewussten Mustern geprägt, die oft aus frühen Beziehungserfahrungen stammen. Hakomi nutzt Achtsamkeit, um diese Muster ins Bewusstsein zu bringen, sie körperlich erlebbar zu machen und neue Erfahrungen zu ermöglichen.
Hakomi wird heute weltweit in der psychotherapeutischen Praxis, in Traumatherapie, Paartherapie und Coaching angewandt und vom Hakomi Institute of Europe zertifiziert.
Wie funktioniert Hakomi?
Eine Hakomi-Sitzung beginnt mit Achtsamkeit. Du richtest die Aufmerksamkeit nach innen und beobachtest, was sich zeigt: Körperempfindungen, Gedanken, Bilder, Stimmungen.
Der Therapeut begleitet diesen Prozess. Durch gezielte Experimente, etwa kleine Sätze oder Gesten, werden unbewusste Überzeugungen sichtbar. Du spürst im Körper, wie du auf bestimmte Erfahrungen reagierst, noch bevor der Verstand einordnet.
Was dabei auftaucht, wird gemeinsam erkundet. Aus dem Gespürten wird Sprache, aus der Sprache Erkenntnis. So entsteht Veränderung, die tiefer reicht als reines Verstehen.
Die Methode arbeitet in drei Phasen:
1. Kontakt und Achtsamkeit
Der Therapeut schafft eine sichere Beziehung. Du wirst eingeladen, die Aufmerksamkeit nach innen zu wenden und zu beobachten, was gerade da ist.
2. Erkundung und Experiment
Durch achtsame Experimente werden unbewusste Muster sichtbar. Das können körperliche Reaktionen sein, innere Bilder oder Erinnerungen. Du erlebst direkt, wie alte Erfahrungen dein gegenwärtiges Erleben formen.
3. Integration und neue Erfahrung
Aus der Erkenntnis entstehen neue Möglichkeiten. Du erlebst im geschützten Rahmen, wie es sich anfühlt, anders zu reagieren. Diese Erfahrungen verankern sich im Körper und wirken über die Sitzung hinaus.
Die fünf Grundsätze
Hakomi basiert auf fünf Prinzipien, die sowohl die therapeutische Haltung als auch die Methode selbst prägen.
Achtsamkeit
Bewusstes, wertfreies Wahrnehmen der eigenen inneren Erfahrung. In der Praxis bedeutet das: Du beobachtest, was in dir auftaucht, ohne es zu bewerten oder zu verändern. Dieser Schritt allein verändert bereits etwas.
Gewaltlosigkeit
Der therapeutische Prozess folgt dem Tempo und der Richtung des Klienten. Es gibt keinen Druck, kein Überreden, kein Aufbrechen von Widerständen. Was sich schützt, hat einen Grund.
Organizität
Jeder Mensch trägt eine natürliche Tendenz zur Selbstheilung und zum Wachstum in sich. Die Therapie unterstützt diesen Prozess, sie steuert ihn nicht. Wie ein Organismus sich selbst reguliert, findet auch der therapeutische Prozess seinen eigenen Weg.
Körper-Geist-Ganzheit
Körper, Geist und Seele sind Ausdruck desselben Systems. Was sich im Denken zeigt, zeigt sich auch im Körper. Hakomi arbeitet mit beiden Ebenen gleichzeitig.
Einheit
Wir existieren in Verbindung. Mit anderen Menschen, mit unserer Umgebung, mit unserer Geschichte. Hakomi berücksichtigt diese Verbundenheit im therapeutischen Prozess.
Woher kommt Hakomi?
Ron Kurtz (1934–2011) entwickelte die Hakomi-Methode aus der Verbindung mehrerer Strömungen:
- Gestalttherapie mit ihrem Fokus auf das phänomenologische Erforschen im Hier und Jetzt
- Körperpsychotherapie nach Wilhelm Reich und Alexander Lowen, erweitert um sanftere, achtsamkeitsbasierte Zugänge
- Buddhismus und Taoismus, insbesondere die Praxis der Achtsamkeit und des absichtslosen Gewahrseins
- Systemische Therapie mit dem Verständnis, dass individuelles Erleben immer in Beziehungskontexten entsteht
Nach Kurtz' Tod wurde die Methode von Therapeuten wie Halko Weiss, Donna Martin, Greg Johanson und Manuela Mischke-Reeds weiterentwickelt. Heute wird Hakomi in Traumatherapie, Paartherapie (H.E.A.R.T.-Modell), Kinder- und Jugendtherapie sowie Supervision und Coaching eingesetzt.
Für wen ist Hakomi geeignet?
Hakomi eignet sich für Menschen, die bereit sind, achtsam nach innen zu schauen. Die Methode wird eingesetzt bei:
- Angststörungen, Depressionen, Burnout
- Traumatischen Erfahrungen und deren Folgen
- Beziehungsproblemen und wiederkehrenden Konflikten
- Psychosomatischen Beschwerden
- Alten Mustern, die sich trotz Einsicht wiederholen
- Dem Wunsch nach tieferer Selbstkenntnis und persönlichem Wachstum
Empirische Studien deuten auf die Wirksamkeit von Hakomi bei der Bewältigung von traumatischen Erfahrungen, Angststörungen und Beziehungsproblemen hin (vgl. Weiss, Johanson & Monda: Hakomi Mindfulness-Centered Somatic Psychotherapy, 2015).
Hakomi und andere Verfahren
Was unterscheidet Hakomi von Verhaltenstherapie?
Verhaltenstherapie arbeitet primär mit Gedanken und Verhaltensänderung auf der bewussten Ebene. Hakomi setzt tiefer an: bei den unbewussten körperlichen und emotionalen Mustern, die dem Verhalten zugrunde liegen.
Was unterscheidet Hakomi von klassischer Psychoanalyse?
Beide arbeiten tiefenpsychologisch. Hakomi bezieht den Körper aktiv ein und nutzt Achtsamkeit als zentrales Werkzeug. Der Prozess ist erfahrungsorientiert statt primär sprachlich-analytisch.
Wie verhält sich Hakomi zu Somatic Experiencing?
Somatic Experiencing (Peter Levine) fokussiert auf Traumaverarbeitung über das Nervensystem. Hakomi hat einen breiteren Anwendungsbereich und arbeitet mit Achtsamkeit, Experiment und Beziehung. Beide Methoden ergänzen sich.
Hakomi in unserer Praxis
Wir arbeiten seit über zehn Jahren mit der Hakomi-Methode in eigener Praxis in Berlin. Ergänzend fliessen Elemente der Teilearbeit nach IFS und der Pesso-Boyden-Therapie in unsere Arbeit ein.
Wenn du mehr darüber erfahren möchtest, wie sich eine Sitzung anfühlt, schau auf unsere Startseite. Oder schreib uns direkt über das Kontaktformular.
